Jeder, der regelmäßig Sport macht, kennt ihn: den inneren Schweinehund.
Er meldet sich morgens, wenn der Wecker klingelt und es draußen noch dunkel ist. Er flüstert einem zu, dass man heute ruhig mal eine Einheit auslassen könnte. Dass es regnet. Dass man müde ist. Dass morgen auch noch ein Tag ist.
Gerade im Ausdauersport begegnet man diesem inneren Widerstand ständig. Denn wer für einen Marathon oder sogar eine Triathlon-Langdistanz trainiert, kann sich nicht nur auf Motivation verlassen. Motivation kommt und geht. Entscheidend ist etwas anderes: Struktur.
Viele Menschen glauben, dass erfolgreiche Sportler besonders motiviert sind. Meine Erfahrung ist eher: Sie haben einen Plan.
Wenn ich morgens eine Laufeinheit vor mir habe, dann ist das keine spontane Entscheidung. Ich stehe nicht auf und überlege, ob ich heute Lust habe zu trainieren. Die Entscheidung ist längst gefallen – nämlich in dem Moment, in dem ich meinen Trainingsplan erstellt oder übernommen habe.
Der Plan nimmt einem diese tägliche Diskussion mit dem inneren Schweinehund ab.
Statt:
„Soll ich heute laufen gehen?“
steht im Kalender ganz klar:
„10 km lockerer Dauerlauf.“
Damit verändert sich die Perspektive komplett. Es geht nicht mehr darum, ob ich trainiere. Sondern nur noch darum, wann und wie ich die Einheit umsetze.
Ein Trainingsplan hat noch einen zweiten wichtigen Effekt: Er zerlegt ein großes Ziel in viele kleine Schritte.
Eine Triathlon-Langdistanz wirkt am Anfang fast unvorstellbar:
3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen.
Doch ein Trainingsplan sagt nicht: „Mach das morgen.“
Er sagt: „Diese Woche drei lockere Läufe, eine längere Radeinheit, etwas Schwimmen.“
Plötzlich wird aus einem riesigen Ziel eine Abfolge machbarer Aufgaben.
Der innere Schweinehund wird vor allem dann stark, wenn ein Ziel überwältigend wirkt. Wenn die nächste Aufgabe jedoch klar und realistisch ist, verliert er viel von seiner Macht.
Was mir besonders geholfen hat: Training wie einen Termin zu behandeln.
Wir würden ein wichtiges Meeting im Job nicht einfach absagen, weil wir gerade keine Lust haben. Wir erscheinen, weil wir wissen, dass es dazugehört.
Genau so sehe ich auch meine Trainingseinheiten. Sie stehen im Kalender – und damit sind sie Teil des Tagesablaufs.
Mit der Zeit passiert etwas Interessantes: Aus Überwindung wird Routine.
Man steht auf, zieht die Laufschuhe an und läuft los. Nicht weil man jedes Mal voller Begeisterung ist, sondern weil es inzwischen einfach dazugehört.
Ein wichtiger Punkt im Umgang mit dem inneren Schweinehund ist auch Gelassenheit.
Nicht jede Einheit fühlt sich gut an. Es gibt Tage, an denen die Beine schwer sind oder der Kopf nicht richtig mitspielt. Entscheidend ist aber nicht, dass jede Trainingseinheit perfekt läuft.
Entscheidend ist Kontinuität.
Ein mittelmäßiger Lauf ist immer noch besser als gar keiner. Und oft passiert sogar das Gegenteil: Man zwingt sich loszulaufen – und nach zehn Minuten fühlt sich alles plötzlich viel leichter an.
Die ehrliche Wahrheit ist: Der innere Schweinehund verschwindet nie vollständig. Auch nach Jahren im Ausdauersport gibt es Tage, an denen er sich meldet.
Der Unterschied ist nur: Man lernt, besser mit ihm umzugehen.
Man erkennt seine Tricks.
Man weiß, dass die Ausreden immer ähnlich klingen.
Und man weiß vor allem, dass das gute Gefühl nach dem Training fast immer kommt.
Wer mit Sport anfangen oder ein größeres Ziel erreichen möchte, sollte nicht versuchen, sich jeden Tag neu zu motivieren.
Viel einfacher ist es, einen konkreten Plan zu haben.
Ein Plan gibt Orientierung, nimmt Entscheidungen ab und sorgt dafür, dass man Schritt für Schritt vorankommt.
Und irgendwann merkt man:
Der innere Schweinehund hat immer weniger zu sagen.
Nicht, weil er verschwunden ist.
Sondern weil man gelernt hat, trotzdem loszulaufen. 🏃♂️
