In zwei Jahren vom Bewegungsmuffel zum Ironman

Anfang Juni hat sich der Freisinger Kreisrat Tobias Weiskopf (FDP) einen lang gehegten Traum erfüllt: die Ziellinie beim Ironman Hamburg European Championship zu überqueren – nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und einem Marathon – und das sogar in unter elf Stunden.

Was für viele nach Extremsport klingt, ist für Weiskopf das Ergebnis einer ambitionierten Reise, die vor gerade mal zwei Jahren ebenfalls in der Hansestadt begann. „In der Corona-Pandemie bin ich ziemlich faul geworden, hatte ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und habe gemerkt: So kann’s nicht weitergehen. Ich wollte etwas ändern – für meine Gesundheit, aber auch, um den Kopf freizukriegen.“

Als Ansporn suchte er einen zeitnahen Wettkampf und meldete sich zusammen mit seinem besten Freund für den Hamburger Halbmarathon im Juni 2023 an. „Das Ziel war, die 21 Kilometer in unter zwei Stunden zu schaffen – das schien anfangs völlig unrealistisch. Ich war ein echter Laufanfänger, hatte nur zwölf Wochen Zeit und habe mir einen Trainingsplan mit vier Einheiten pro Woche erstellt. Dazu kam die Ernährungsumstellung – und ich merkte schnell, wie ich Fortschritte machte.“ Am Ende stand eine Zeit von 1:47 Stunden. Weiskopf war angefixt vom Ausdauersport – und setzte sich neue Ziele. Im Herbst 2023 finishte er seinen ersten Marathon und erreichte die Ziellinie im Münchner Olympiastadion nach 3:40 Stunden. Inspiriert vom Kirchdorfer Triathleten Niklas Ludwig suchte er sich eine neue Herausforderung – und integrierte mit Schwimmen und Radfahren zwei weitere Disziplinen in seinen Trainingsalltag. Im Spätsommer 2024 folgte sein erster Triathlon, direkt auf der Mitteldistanz in Zell am See, in 5:08 Stunden. „Und da war für mich klar: Ich will eine Langdistanz machen. Einmal Ironman – das war der große Traum.“

Auf dem Weg zum Ironman gab es neben Erfolgserlebnissen immer wieder Rückschläge – Phasen, die er sowohl mental als auch körperlich meistern musste. Besonders das befürchtete Schienbeinkantensyndrom zwang ihn, die Laufschuhe gegen Physiotherapie einzutauschen. „Ich habe dadurch viel über meinen Körper gelernt – Stabi-Training ist extrem wichtig, und die Übungen sind inzwischen fester Bestandteil meines Alltags.“ Der Trainingsplan sah mindestens zwölf Stunden pro Woche vor – ambitioniert neben Job und Ehrenamt. „Leider wurden es oft nur acht bis zehn Stunden – und ich wusste: Das ist eigentlich zu wenig.“ In der heißen Phase schraubte er den Umfang auf über 20 Stunden hoch. Das hohe Pensum neben Vollzeitjob in der Projektsteuerung, dem kommunalpolitischen Ehrenamt als Kreisrat im Landkreis Freising und dem Engagement im Landesvorstand der FDP Bayern war eine große Herausforderung. „Oft habe ich vor und nach der Arbeit trainiert – statt auf dem Sofa zu liegen oder Freunde zu treffen. Im Winter bin ich bei Regen und Schnee gelaufen, habe abends auf der Rolle geschwitzt und nach Kreistagssitzungen noch schnell ein paar Bahnen im Fresch gezogen. Dafür war viel Disziplin nötig. Ein Großteil des Ironman entscheidet sich eben im Kopf – in der Vorbereitung genauso wie im Wettkampf.“

Und so stand Weiskopf zwei Jahre nach seinem ersten Halbmarathon in Hamburg wieder an der Startlinie der Hansestadt. Den 3,8 Kilometer langen Schwimmkurs in der Alster meisterte er in 1:20 Stunden, obwohl er bisher noch nie mehr als 2.500 Meter am Stück kraulte. Auf dem Rad folgte der längste Abschnitt – 180 flache, aber windanfällige Kilometer. „Ich war mit meinem normalen Rennrad unterwegs, ohne Aerolenker oder Zeitfahrrad. Aber ich habe mich durchgebissen.“ Am Ende standen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h und eine starke Zeit von 5:35 Stunden.

Der abschließende Marathon wurde zur echten Prüfung. „Ich bin recht schnell losgelaufen, der Anfang war pure Euphorie. Mein Verstand hat mich dann gebremst.“ Ab Kilometer 16 wurde es ein harter Kampf. „So eine Langdistanz ist eine emotionale Achterbahnfahrt.“ Ein wichtiger Tipp eines Freundes half ihm durch die letzten Kilometer: von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation durchbeißen und mit Cola und Salzgebäck Energie tanken. „Das war mein Mantra. Niemals aufgeben, nur an den Stationen Gehpausen.“

Durch die Unterstützung von Familie, Freunden und der Cheering Zone in der Hamburger Innenstadt wurde er immer wieder motiviert. „Da wurde ich jedes Mal richtig mitgerissen.“ Und dann kam der magische Moment nach 10 Stunden und 54 Minuten: der rote Teppich, das Zieltor, die Worte des Sprechers: „You are an Ironman!“ Für ihn der Höhepunkt einer ehrgeizigen Reise – und gleichzeitig der Anfang einer neuen Leidenschaft.

Ob er jetzt mehr Zeit fürs Sofa hat? Weiskopf schmunzelt: „In drei Wochen steht der Sportscheck-Lauf an, danach der B2Run. Ende August starte ich wieder beim Ironman 70.3 in Zell am See. Zum Glück habe ich meine Freunde inzwischen mit dem Triathlon-Fieber angesteckt, dass wir häufig zusammen trainieren – sei es eine Ausfahrt mit dem Rennrad, ein Longrun am Wochenende oder eben eine Freiwassereinheit im Pullinger Weiher.“