Busumfrage im Landkreis Freising: Warum wir sie gestartet haben – und was wir daraus gelernt haben

Manchmal braucht es in der Kommunalpolitik einen kleinen Anstoß von außen, um Dinge in Bewegung zu bringen. Genau so war es bei unserer Busumfrage im Landkreis Freising.

Der öffentliche Nahverkehr ist eines der Themen, über die ich als Kreisrat besonders viele Rückmeldungen bekomme. Am Infostand, bei Veranstaltungen, auf Bürgerversammlungen oder einfach im Gespräch auf der Straße: Immer wieder erzählen mir Bürgerinnen und Bürger, wo es im Busverkehr hakt. Zu volle Busse, schlechte Anschlüsse, Fahrpläne, die nicht zu den Schulzeiten passen.

Das Problem dabei: Diese Rückmeldungen sind wichtig – aber sie bleiben oft Einzelfälle. Für politische Entscheidungen braucht man ein klareres Bild.

Deshalb haben meine Kollegin Susanne Hartmann und ich im Jahr 2023 eine Busumfrage gestartet. Unser Ziel war es, die Erfahrungen der Nutzerinnen und Nutzer systematisch zu erfassen und damit eine bessere Grundlage für Verbesserungen im ÖPNV zu schaffen.


Neue Wege gehen – wenn klassische Wege blockiert sind

Ursprünglich wollten wir genau das offiziell über das Landratsamt machen. Wir haben deshalb im Kreistag beantragt, eine offizielle Erhebung zum Busverkehr im Landkreis durchzuführen.

Doch dieser Antrag wurde im Planungsausschuss des Kreistags abgelehnt.

Für uns war das ein Moment, an dem man sich entscheiden muss:

Lässt man die Sache auf sich beruhen – oder versucht man es auf einem anderen Weg?

Wir haben uns für den zweiten entschieden.

Also haben Susanne Hartmann und ich die Umfrage selbst organisiert – mit ehrenamtlichen Mitteln, viel Zeit und Unterstützung aus unserem Umfeld. Ohne großes Budget, aber mit dem klaren Ziel, ein möglichst breites Bild des Busverkehrs im Landkreis zu bekommen.

Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung.


Große Beteiligung: Über 900 Menschen machen mit

Das Ergebnis hat uns ehrlich gesagt selbst überrascht.

Über 900 Bürgerinnen und Bürger aus 22 der 24 Gemeinden des Landkreises Freising haben an der Umfrage teilgenommen. Für eine freiwillige Online-Umfrage ohne große Kampagne ist das eine enorme Beteiligung.

Die Rückmeldungen kamen aus allen Teilen des Landkreises – aus größeren Gemeinden wie Neufahrn oder Freising ebenso wie aus kleineren Orten.

Besonders bemerkenswert: Viele Teilnehmer haben sich sehr ausführlich Zeit genommen, ihre Erfahrungen zu schildern. Neben den quantitativen Bewertungen haben wir zahlreiche Hinweise, konkrete Beispiele und Verbesserungsvorschläge erhalten.

Das zeigt: Das Thema Busverkehr bewegt die Menschen.


Ein klares Ergebnis: Der Busverkehr bekommt nur 4,12 von 10 Punkten

Die Auswertung der Umfrage hat ein deutliches Bild ergeben.

Der Busverkehr im Landkreis Freising wurde im Durchschnitt mit 4,12 von 10 möglichen Punkten bewertet. Das ist kein gutes Zeugnis.

Nur wenige Teilnehmer vergaben mehr als sechs Punkte.

Noch am besten bewertet wurde der Busverkehr in Neufahrn mit durchschnittlich 5,44 Punkten. Dort verkehrt unter anderem der Ortsbus 694, der mit 6,60 Punkten sogar die bestbewertete Linie der Umfrage war.

Besonders kritisch bewertet wurde dagegen der nordöstliche und westliche Landkreis.

Die Ergebnisse zeigen klar: Viele Menschen sind mit dem aktuellen Angebot unzufrieden.


Wer den Bus nutzt: Vor allem Schüler

Ein wichtiger Punkt der Umfrage war das Nutzungsverhalten.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Busverkehr im Landkreis sehr intensiv genutzt wird:

  • 56 % der Teilnehmer nutzen den Bus mindestens viermal pro Woche
  • Weitere 9 % nutzen ihn zwei- bis dreimal wöchentlich

Die mit Abstand größte Nutzergruppe sind Schülerinnen und Schüler, die rund 55 % der Befragten ausmachen.

Daneben nutzen auch viele Menschen den Bus für Freizeitwege oder für den Weg zur Arbeit.

Interessant ist auch, dass der Bedarf nicht nur an Werktagen besteht:

  • 96 % der Teilnehmer fahren werktags Bus
  • 45 % auch am Samstag
  • 33 % sogar am Sonntag

Der ÖPNV ist also für viele Menschen ein zentrales Verkehrsmittel im Alltag.


Überfüllte Busse: Ein großes Problem im Schülerverkehr

Eines der häufigsten Themen in den Rückmeldungen waren überfüllte Busse, vor allem im Schülerverkehr.

Besonders häufig genannt wurden die Linien:

  • 616
  • 619
  • 695
  • 602
  • 708

Viele Teilnehmer berichten, dass Busse regelmäßig so voll sind, dass zahlreiche Fahrgäste keinen Sitzplatz finden.

Die Zahlen aus der Umfrage sind deutlich:

  • 35 % sagen, dass fast immer Fahrgäste stehen müssen
  • 22 % berichten, dass regelmäßig nicht alle einen Sitzplatz bekommen

Gerade für jüngere Schüler ist das problematisch. Enge, überfüllte Busse führen zu unangenehmen – und teilweise auch gefährlichen – Situationen.

Für mich ist deshalb klar: Schüler müssen sicher zur Schule kommen – und dazu gehört auch ein Sitzplatz.


Unser Vorschlag: Sitzplatzgarantie für Schüler

Aus diesem Grund setzen wir uns für eine Sitzplatzgarantie für Schülerinnen und Schüler im Busverkehr ein.

Ein möglicher Lösungsansatz ist der verstärkte Einsatz von Reisebussen zu den Hauptverkehrszeiten.

Reisebusse haben oft bis zu 70 Sitzplätze. Die derzeit eingesetzten Niederflurbusse kommen je nach Modell meist nur auf 25 bis 45 Sitzplätze.

In den vergangenen Jahren hat der Verkehrsverbund stark auf neue MVV-Busse gesetzt – mit WLAN, digitalen Fahrgastanzeigen und vielen technischen Extras.

Das ist grundsätzlich positiv.

Aber gerade im Schülerverkehr zählt vor allem eines: Kapazität.

Reisebusse könnten hier eine pragmatische Lösung sein. Viele Verkehrsunternehmen haben solche Fahrzeuge ohnehin in ihrer Flotte – etwa für Ausflugsfahrten oder den Wochenendverkehr.

Statt zusätzliche Busse für viel Geld anzuschaffen, könnte man vorhandene Fahrzeuge gezielt als Verstärker im Schülerverkehr einsetzen.

Das wäre nicht nur praktischer, sondern auch wirtschaftlicher.


Erste Verbesserungen – aber noch viel zu tun

Der öffentliche Druck und die vielen Rückmeldungen haben bereits Wirkung gezeigt.

So wurden zum Beispiel zusätzliche Direktverbindungen auf den Linien 616 und 619 über die Westtangente zur Realschule Gute Änger eingerichtet.

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber klar ist auch: Das reicht noch nicht.

Der Busverkehr im Landkreis braucht eine systematische Weiterentwicklung.

Dazu gehört vor allem eine Aktualisierung des Nahverkehrsplans, der festlegt, wie sich das Busnetz in den kommenden Jahren entwickeln soll.


Herausforderungen im Westen des Landkreises

Besonders viele Rückmeldungen kamen aus den Gemeinden Kranzberg, Allershausen und Hohenkammer.

Hier spielen die Linien 616 und 619 eine zentrale Rolle.

Viele Bürger berichten von:

  • überfüllten Bussen
  • unzureichender Taktung
  • fehlenden Anschlüssen

Ein weiteres Problem ist die Landkreisgrenze.

Viele Linien enden dort, obwohl wichtige Ziele – etwa der Bahnhof Petershausen – nur wenige Kilometer entfernt liegen.

Für Pendler und Schüler entstehen dadurch unnötige Umwege oder lange Wartezeiten.

Ein moderner ÖPNV darf nicht an Landkreisgrenzen enden.


Der Expressbus X610 – eine große Chance

Ein besonders wichtiges Projekt ist deshalb der geplante Expressbus X610.

Diese Linie soll Allershausen direkt mit der U-Bahn-Station Garching-Hochbrück verbinden.

Für viele Pendler wäre das eine enorme Verbesserung.

Heute müssen viele Menschen umständliche Verbindungen nutzen – etwa über mehrere Buslinien oder mit dem Auto.

Der X610 könnte:

  • die Verbindung nach München deutlich beschleunigen
  • Pendlern eine echte Alternative zum Auto bieten
  • die Straßen im Landkreis entlasten

Leider zieht sich dieses Projekt seit Jahren hin, weil mehrere Landkreise beteiligt sind.

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass dieser Expressbus endlich Realität wird.


Ein Gesamtkonzept für den Busverkehr

Eine wichtige Erkenntnis aus der Umfrage ist auch: Verbesserungen im Busverkehr kosten Geld.

Die Finanzierung erfolgt über den Landkreis – und damit indirekt über die Kreisumlage der Gemeinden.

Der Haushalt ist bereits stark belastet.

Deshalb brauchen wir ein kluges Gesamtkonzept, das Prioritäten setzt und Verbesserungen Schritt für Schritt umsetzt.

Ein aktualisierter Nahverkehrsplan kann hier den richtigen Rahmen geben.


Was wir aus der Busumfrage gelernt haben

Für mich persönlich war die Busumfrage eine sehr spannende Erfahrung.

Sie hat gezeigt:

  • wie groß das Interesse der Bürger an diesem Thema ist
  • wie viele konkrete Hinweise aus dem Alltag kommen
  • wie wichtig es ist, den Menschen zuzuhören

Besonders gefreut hat mich, dass selbst Landrat Helmut Petz die Ergebnisse ausdrücklich gewürdigt und sich für die Initiative bedankt hat.