Vom 1. bis 12. Dezember stehen die Pendler im Landkreis Freising vor einer massiven Belastungsprobe. Die Deutsche Bahn sperrt die Bahnstrecke zwischen Feldmoching und Freising bzw. dem Flughafen vollständig, weil ein Schwellentausch ansteht. Bauarbeiten dieser Art sind notwendig – das ist unstrittig. Aber sie müssen so organisiert sein, dass die Einschränkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich bleiben.
Gemeinsam mit den Stadträten Jens Barschdorf (Freising) und Philipp Fincke (Moosburg) habe ich mich daher in einem Schreiben an den DB-Konzernbevollmächtigten Heiko Büttner und die BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchsgewandt – mit einer klaren Botschaft: Das vorliegende Ersatzverkehrskonzept reicht nicht aus.
Was während der Sperrung tatsächlich fährt – und was nicht
Aus der DB-Mitteilung ergibt sich folgendes Bild:
Regionalverkehr
- RE 3 endet in Freising.
- RB 33 entfällt komplett.
- RE 22 endet in Freising und übernimmt alle Halte zwischen Landshut und Freising.
- RE 2 und RE 25 enden bereits in Landshut.
- Für RE den zum Flughafen fährt ein SEV-Bus zwischen Landshut und Flughafen.
S-Bahn S1
- 1.–7. Dezember: S1 entfällt zwischen Lohhof und Flughafen.
- 7.–12. Dezember: S1 entfällt zwischen Feldmoching und Flughafen.
- Zwischen Freising und Flughafen verkehrt im 20-Minuten-Takt ein S1-Shuttle.
- Zwischen Lohhof/Feldmoching und dem Flughafen fährt die SEV S1 – teils als Expressbus.
Busnetz im Münchner Norden
Zwar gibt es eine Reihe von Express- und Regionalbuslinien, die Orte im Münchner Norden mit S- und U-Bahnlinien verbinden, doch viele diese Kapazitäten sind bereits heute ausgelastet.
Zeno Heilmaier hat die Linien während der Bauarbeiten visulaisiert:

Warum das nicht reicht: Pendler brauchen verlässliche Alternativen – nicht nur Notlösungen
Die Folge der Sperrungen: Die Fahrzeiten verdoppeln bis verdreifachen sich.
- Freising – München: statt 26 Minuten künftig über 60 Minuten (z. B. 07:10–07:36 Uhr → 07:01–08:03 Uhr)
- Moosburg – München: statt 36 Minuten künftig rund 83 Minuten (07:00–07:36 Uhr → 07:00–08:23 Uhr)
- Moosburg – Neufahrn: statt 22 Minuten künftig 56 Minuten (07:00–07:22 Uhr → 07:00–07:56 Uhr)
Und das sind nur Beispiele für den morgendlichen Berufsverkehr.
Schon heute weichen viele Pendler wegen der Unzuverlässigkeit des SPNV auf die Linien X660 und 635 aus – beide fahren längst am Limit. Fahrgäste müssen regelmäßig stehen bleiben, weil die Busse überfüllt sind. Der Landkreis hat zwar die Taktungen erhöht und investiert jährlich erhebliche Mittel in diesen parallelen Entlastungsverkehr. Aber: Es ist nicht Aufgabe des Landkreises, dauerhafte Ersatzverkehre für ausfallende oder qualitativ mangelhafte SPNV-Leistungen zu finanzieren.
Was wir vorschlagen
Wir schlagen drei kurzfristig umsetzbare Maßnahmen vor, die für die Region spürbare Entlastung bringen würden:
1. Ein eigener SEV für die S1 von und nach Freising
Der Flughafen-SEV existiert – ein Freising-SEV jedoch nicht. Pendler sollen nicht erst zum Flughafen fahren müssen, um dort in den SEV umzusteigen.
2. Ein Express-Ersatzverkehr für den ausfallenden Regionalverkehr
Abgestimmt auf die RE3-Züge aus Landshut sind nötig:
- Direktbusse Freising – Studentenstadt (U6) oder
- Freising – Feldmoching (S1/U2)
3. Zusätzliche Taktverstärker auf der Linie X660 während der Sperrpause
Als kurzfristig umsetzbare Ergänzung, um die stärksten Pendlerströme zu entzerren.
Unser Appell an die Bahn
Wir haben Verständnis dafür, dass der Sanierungsstau im Schienennetz viele Eingriffe erfordert. Die Sperrpause ist notwendig.
Aber: Die Einschränkungen müssen durch leistungsfähige Ersatzverkehre kompensiert werden – das haben andere Projekte, etwa die Riedbahn-Sperrung, eindrucksvoll gezeigt.
Das derzeitige Konzept schafft das nicht.
Es belastet Pendler unnötig, zwingt sie zu Umwegen über den Flughafen und überfordert ein Busnetz, das schon heute an der Kapazitätsgrenze operiert.
DB und BEG sollten noch vor dem 1. Dezember nachsteuern. Wir stehen jederzeit für eine kurzfristige Abstimmung bereit, um gemeinsam eine tragfähige Lösung für die Region Freising zu erreichen.
